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Katholisches Profil

Das katholische Profil einer Schule entsteht nicht am Schreibtisch – es wächst aus dem gelebten Alltag, aus Begegnungen, Haltungen und Entscheidungen, die von christlichen Werten getragen sind. Was hier schriftlich festgehalten wird, ist daher keine abstrakte Theorie, sondern Ausdruck dessen, was an der Bischöflichen Marienschule tagtäglich erfahrbar ist: eine Schule, die sich dem Menschen in seiner Ganzheit zuwendet und ihn in seiner Würde achtet.

Gleichzeitig ist dieses Profil nicht zufällig entstanden, sondern gründet auf einem festen Fundament. Es speist sich aus verschiedenen Quellen, die miteinander verwoben sind und die Ausrichtung der Schule prägen:

  • dem Leitbild der Marienschule, das die pädagogische Haltung und den Auftrag der Schule beschreibt,
  • dem Leitbild der bischöflichen Schulen im Bistum Aachen, das den Rahmen für katholische Bildungseinrichtungen setzt,
  • den vier Grundvollzügen von Kirche – Martyria, Diakonia, Leiturgia und Koinonia –, die das kirchliche Leben strukturieren und auch im schulischen Kontext wirksam werden,
  • der Geschichte und Tradition der Marienschule, die seit ihrer Gründung für Kinder und Jugendliche da ist, die besondere Unterstützung benötigen,
  • den Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, die Impulse für eine zeitgemäße und inklusive Kirche geben,
  • dem „Heute bei dir“-Prozess, der die Kirche im Bistum Aachen auf dem Weg der Erneuerung begleitet,
  • und nicht zuletzt der Heiligen Schrift, die als geistliche Grundlage Orientierung und Inspiration bietet.

Im Folgenden soll zunächst die theologisch-pädagogische Einordnung des katholischen Profils der Marienschule erfolgen. Daraus abgeleitet wird anschließend dargestellt, wie dieses Profil konkret gelebt wird – von allen, die am Schulleben beteiligt sind: Schüler:innen, Lehrkräften, Mitarbeitenden und Eltern.

1 Theologisch-pädagogische Einordnung des Profils

Die Bischöfliche Marienschule in Aachen versteht sich als Förderschule für Emotionale und soziale Entwicklung, die jungen Menschen in herausfordernden Lebenslagen einen sicheren Ort bietet. Das Leitbild der Schule formuliert eine klare Vision: „Gemeinsam Segel setzen – die Zukunft im Blick“. Diese bildhafte Sprache steht sinnbildlich für eine christlich geprägte Haltung der Hoffnung, Gemeinschaft und Orientierung.

Zentrale Elemente des Leitbilds lassen sich unmittelbar mit dem katholischen Profil der Schule verbinden:

  • Atmosphäre des Vertrauens und Annahme: Die Schule schafft „eine Atmosphäre des Vertrauens“ und erkennt „individuelle Bedürfnisse“ der Schüler:innen. Diese Haltung entspricht dem christlichen Menschenbild, das jeden Menschen als einzigartig und von Gott gewollt sieht. Die Annahme des Einzelnen – unabhängig von Herkunft, Verhalten oder Leistungsfähigkeit – ist ein Grundpfeiler katholischer Pädagogik.
  • Stabilität und Sicherheit als Voraussetzung für Bildung: Die Vision „Stabilität – An Bord kommen und mitsegeln“ betont die Bedeutung von Sicherheit und Grundbedürfnissen als Basis für schulisches Lernen. Dies spiegelt die christliche Verantwortung wider, für die Schwächeren einzustehen und Räume zu schaffen, in denen Heilung und Entwicklung möglich sind – ganz im Sinne der biblischen Botschaft von Fürsorge und Nächstenliebe.
  • Emotionale Begleitung und Ressourcenorientierung: Die Marienschule ermöglicht es den Schüler:innen, „Erlebnisse und Emotionen zu besprechen“ und „eigene Ressourcen zu entdecken“. Diese ressourcenorientierte und dialogische Haltung ist eng mit der katholischen Vorstellung von Versöhnung und persönlicher Entwicklung verbunden. Sie fördert die Selbstannahme und eröffnet Wege zur inneren Heilung – ein zentrales Anliegen christlicher Seelsorge.
  • Selbstwirksamkeit und Perspektiven: Die Schule bestärkt die Schüler:innen darin, „Selbstwirksamkeit und Selbststeuerung“ zu erwerben und „neue Perspektiven“ zu entwickeln. Das katholische Profil sieht Bildung nicht nur als Wissensvermittlung, sondern als Persönlichkeitsbildung, die zur Mitgestaltung der Welt befähigt. Die Förderung von Selbstverantwortung und sozialer Teilhabe ist Ausdruck gelebter Solidarität und Gerechtigkeit.
  • Rituale, Gemeinschaft und Orientierung: Mit „Strukturen und Ritualen sowie „Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten“ bietet die Schule Orientierung und Gemeinschaft. Rituale haben im katholischen Glauben eine zentrale Bedeutung – sie strukturieren den Alltag, geben Halt und ermöglichen spirituelle Erfahrungen. Die Schule als Lebensraum wird so auch zu einem Ort der Sinnsuche und Wertevermittlung.

Das Leitbild der Bischöflichen Marienschule ist tief verwurzelt in einem christlichen Verständnis von Bildung, Beziehung und Verantwortung. Es bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für ein katholisches Schulprofil, das sich durch Wertschätzung, Hoffnung, Gemeinschaft und die Förderung des ganzen Menschen auszeichnet. Die Schule wird so zu einem Ort, an dem junge Menschen nicht nur lernen, sondern auch wachsen – fachlich, sozial und spirituell.

Die Bischöfliche Marienschule in Aachen ist Teil des Netzwerks der Bischöflichen Schulen im Bistum Aachen. Als Förderschule für Emotionale und soziale Entwicklung trägt sie eine besondere Verantwortung: Sie begleitet junge Menschen in schwierigen Lebenssituationen und bietet ihnen einen Ort der Stabilität, Orientierung und Hoffnung. Das Leitbild der Bischöflichen Schulen liefert hierfür eine wertvolle Grundlage und zeigt, wie katholische Bildung auch unter herausfordernden Bedingungen wirksam und sinnstiftend gestaltet werden kann.

  • „Wir glauben an die Würde jedes Menschen“[1]: Dieser Grundsatz ist für die Marienschule zentral. Die Schüler:innen kommen oft mit belastenden Erfahrungen und einem erschütterten Selbstbild. Die Schule begegnet ihnen mit Respekt, Annahme und Wertschätzung – unabhängig von Verhalten oder Leistung. Das christliche Menschenbild, das die unantastbare Würde jedes Einzelnen betont, ist die Basis für eine Pädagogik der Beziehung und des Vertrauens.
  • „Wir leben Gemeinschaft“[2]: Die Marienschule schafft durch Rituale, Strukturen und gemeinsame Aktivitäten einen verlässlichen Rahmen, in dem Gemeinschaft erfahrbar wird. Gerade für Schüler:innen mit emotionalen und sozialen Herausforderungen ist das Erleben von Zugehörigkeit und Solidarität ein heilender Prozess. Die Schule wird so zu einem Ort, an dem christliche Werte wie Nächstenliebe, Vergebung und gegenseitige Unterstützung konkret gelebt werden.
  • „Wir fördern ganzheitlich[3]“: Das Leitbild betont die Förderung von Kopf, Herz und Hand. Die Marienschule setzt genau hier an: Sie bietet nicht nur fachliche Bildung, sondern auch emotionale Stabilisierung, soziale Kompetenzentwicklung und lebenspraktische Orientierung. Die Förderung von Selbstwirksamkeit und Selbststeuerung, wie im schuleigenen Leitbild formuliert, entspricht dem katholischen Anspruch, junge Menschen zu befähigen, ihr Leben verantwortlich zu gestalten.
  • „Wir öffnen Horizonte[4]“: Die Marienschule ermutigt ihre Schüler:innen, neue Perspektiven zu entwickeln – trotz schwieriger Ausgangslagen. Dies geschieht durch individuelle Förderung, Berufsorientierung (KAoA), und die Vermittlung von Hoffnung und Zukunftsvertrauen. Die christliche Botschaft vom Neubeginn und der Möglichkeit zur Veränderung ist hier ein tragender Impuls.
  • „Wir gestalten Schule als Lebensraum[5]“: Die Marienschule versteht sich als sicherer Lern- und Lebensort. Sie bietet Raum für Gespräche, Reflexion, kreative Ausdrucksformen und spirituelle Erfahrungen. Auch wenn religiöse Praxis nicht im Vordergrund steht, ist die Schule ein Ort, an dem Sinnfragen gestellt und christliche Werte erfahrbar werden – etwa durch Feiern im Kirchenjahr, Rituale oder die Begleitung durch Seelsorge.

Das Leitbild der Bischöflichen Schulen bietet eine klare Orientierung für das katholische Profil der Marienschule. Es verbindet pädagogische Professionalität mit christlicher Haltung und zeigt, wie Schule zu einem Ort der Heilung, Entwicklung und Hoffnung werden kann – besonders für junge Menschen, die in ihrem Leben bereits viele Stürme erlebt haben.

 

[1] Broschüre „Leitbild der bischöflichen Schulen des Bistums Aachen“, S. 4

[2] ebd., S. 6

[3] ebd., S. 8

[4] Ebd., S. 10

[5] Broschüre „Leitbild der bischöflichen Schulen des Bistums Aachen“, S. 12

Die Bischöfliche Marienschule in Aachen lebt ihr katholisches Profil nicht vornehmlich durch religiöse Inhalte, sondern durch eine ganzheitliche Pädagogik, die sich an den vier Grundvollzügen von Kirche orientiert.

Diese Vollzüge – Martyria, Diakonia, Leiturgia und Koinonia – bilden das Fundament kirchlichen Lebens und spiegeln sich in der täglichen Arbeit mit den Schüler:innen wider.

  • Martyria – Zeugnis geben: Die Marienschule gibt Zeugnis vom christlichen Glauben, indem sie die Botschaft Jesu Christi in Wort und Tat weiterträgt. Dies geschieht nicht nur durch den Religionsunterricht, sondern vor allem durch eine Haltung der Wertschätzung, Hoffnung und Ermutigung. Lehrkräfte und Mitarbeitende leben christliche Werte vor – etwa durch Geduld, Vergebung und respektvolle Kommunikation – und machen so den Glauben erfahrbar. Die Schule wird zum Ort, an dem junge Menschen erleben: Du bist gewollt, angenommen und hast eine Zukunft.
  • Diakonia – Dienst am Nächsten: Als Förderschule für Emotionale und soziale Entwicklung steht die Marienschule in besonderer Weise im Dienst am Menschen. Sie begleitet Schüler:innen, die oft mit seelischen Belastungen und sozialen Schwierigkeiten kämpfen. Die Schule bietet ihnen Schutz, Unterstützung und individuelle Förderung – ganz im Sinne der christlichen Nächstenliebe. Der Dienst am Nächsten zeigt sich hier konkret in der Arbeit eines multiprofessionellen Teams, das sich den Bedürfnissen der Schüler:innen mit Empathie und Fachlichkeit widmet.
  • Leiturgia – Gottesdienst feiern: Auch wenn die Feier der Eucharistie nicht im Mittelpunkt stehen kann, da es viele Schüler:innen ohne oder mit einem anderen Bekenntnis gibt, bietet die Marienschule Raum für spirituelle Erfahrungen. Gottesdienste zu besonderen Anlässen, Morgenimpulse, Rituale im Kirchenjahr oder stille Momente der Besinnung ermöglichen den Schüler:innen, sich mit Fragen des Glaubens und der eigenen Spiritualität auseinanderzusetzen. Diese Angebote schaffen Gemeinschaft und eröffnen einen Zugang zu religiöser Tiefe – angepasst an die Lebensrealität der Jugendlichen.
  • Koinonia – Gemeinschaft leben: Die Marienschule versteht sich als Lebensraum, in dem Gemeinschaft tragend und heilend wirkt. Rituale, gemeinsame Aktivitäten, transparente Strukturen und ein wertschätzendes Miteinander fördern das Gefühl von Zugehörigkeit. Gerade für Schüler:innen, die Ausgrenzung oder Instabilität erlebt haben, ist das Erleben von Gemeinschaft ein zentraler Schritt zur persönlichen Entwicklung. Die Schule lebt Koinonia, indem sie ein Netz aus Beziehungen knüpft, das trägt – auch über schulische Grenzen hinaus.

Die vier Grundvollzüge von Kirche sind im Alltag der Bischöflichen Marienschule nicht abstrakte Prinzipien, sondern gelebte Wirklichkeit. Sie prägen das katholische Profil der Schule und machen deutlich: Bildung im christlichen Geist bedeutet mehr als Wissensvermittlung – sie ist Dienst am Menschen, Zeugnis des Glaubens, Feier der Gemeinschaft und Ausdruck einer Hoffnung, die trägt.

Die Bischöfliche Marienschule in Aachen blickt auf eine über 125-jährige Geschichte zurück, die geprägt ist von Fürsorge, Engagement und dem festen Willen, Kindern und Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen eine Perspektive zu bieten. Schon lange bevor die Schule in die Trägerschaft des Bistums Aachen überging, war sie ein Ort für junge Menschen, die am Rand der Gesellschaft standen.

Bereits 1898 gründete Helene d’Alquen, eine Ordensfrau der „Töchter vom Herzen Mariä“, die Marienschule als Privatschule für „schwach begabte und der Nachhilfe bedürftige Kinder“. Die ersten Schüler:innen waren Kinder, die in anderen Schulen kaum Chancen hatten – sie wurden als „sehr schwach veranlagt“ beschrieben. Die Marienschule war von Anfang an ein Ort der Annahme, der Förderung und der Hoffnung.

Besonders beeindruckend ist das Engagement der Ordensschwestern in Zeiten größter Not. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schulgebäude mehrfach durch Luftangriffe beschädigt und schließlich weitgehend zerstört. Dennoch gaben die Schwestern nicht auf: Sie unterrichteten einzelne Schüler:innen privat, oft unter widrigsten Umständen. Bereits am 13. Juni 1946 – nur wenige Monate nach Kriegsende – wurde der Schulbetrieb mit drei Schüler:innen in der Turnhalle wieder aufgenommen. Dieses Handeln zeugt von einer tiefen pädagogischen und christlichen Haltung: Bildung als Dienst am Menschen, auch wenn die äußeren Bedingungen kaum etwas zulassen. Die Geschichte der Marienschule ist damit auch eine Geschichte der gelebten Diakonia – des konkreten Dienstes am Nächsten. Sie zeigt, dass die Schule nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Ort der Fürsorge, des Schutzes und der Hoffnung war und ist. Die Übergabe der Schule in die Trägerschaft des Bistums Aachen im Jahr 1991 war eine konsequente Weiterführung dieses Engagements im kirchlichen Rahmen.

Die Wahl der Gottesmutter Maria als Namenspatronin für die Bischöfliche Marienschule ist zwar schon über 125 Jahre alt und durch niemanden beeinflusst, der heute dort tätig ist, allerdings könnte die Wahl nicht passender sein. Sie ist ein bewusstes Zeichen für die Haltung, mit der diese Schule ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag erfüllt, damals wie heute. Gerade für eine Förderschule für Emotionale und soziale Entwicklung ist Maria ein tief bedeutungsvolles Vorbild, das sich in vielen Aspekten der pädagogischen und diakonischen Arbeit widerspiegelt.

  • Maria als Begleiterin – Nähe und Vertrauen: Maria ist in der biblischen Überlieferung eine stille, aber präsente Begleiterin. Sie steht Jesus in allen Lebenslagen zur Seite – von der Geburt bis zum Kreuz. Auch die Marienschule versteht sich als verlässliche Begleiterin ihrer Schüler:innen, die oft mit biografischen Brüchen und emotionalen Belastungen zu kämpfen haben. Die Schule bietet einen sicheren Ort, an dem Vertrauen wachsen kann – ganz im Sinne Marias, die Nähe schenkt, ohne zu bedrängen.
  • Maria als Fürsprecherin – Diakonia im Alltag: Maria wird in der christlichen Tradition als Fürsprecherin für die Menschen gesehen – jemand, der sich für andere einsetzt. Diese Haltung spiegelt sich in der diakonischen Arbeit der Marienschule wider: Ein multiprofessionelles Team setzt sich tagtäglich für die individuellen Bedürfnisse der Schüler:innen ein, bietet Hilfe, Schutz und Orientierung. Die Schule lebt Diakonia, indem sie sich den Schwächsten zuwendet – wie Maria bei der Hochzeit zu Kana, wo sie das Bedürfnis der Menschen erkennt und handelt.
  • Maria als Hörende – Pädagogik der Achtsamkeit: Maria ist diejenige, die „alles in ihrem Herzen bewegt“ (Lk 2,19). Sie hört zu, beobachtet, reflektiert. Diese Haltung ist grundlegend für die pädagogische Arbeit an der Marienschule: Die Lehrkräfte und Mitarbeitenden nehmen sich Zeit, hören hin, erkennen verborgene Bedürfnisse und reagieren achtsam. Die Schule lebt eine Pädagogik, die nicht vorschnell urteilt, sondern Raum für Entwicklung lässt – inspiriert von Marias innerer Stärke und Geduld.
  • Maria als Hoffnungsträgerin – Martyria und Perspektive: Maria steht für Hoffnung – auch in dunklen Zeiten. Sie glaubt an Gottes Wirken, selbst wenn der Weg ungewiss ist. Diese Hoffnung ist zentral für die Marienschule, die ihren Schüler:innen neue Perspektiven eröffnet, Selbstwirksamkeit fördert und Zukunftsvertrauen vermittelt. Die Schule gibt Zeugnis (Martyria) von einer Haltung, die nicht aufgibt, sondern an das Gute im Menschen glaubt – wie Maria, die trotz aller Herausforderungen an der Seite ihres Sohnes bleibt.
  • Maria als Teil der Gemeinschaft – Koinonia leben: Maria ist nicht nur Mutter Jesu, sondern auch Teil der frühen christlichen Gemeinschaft. Sie lebt Glauben in Gemeinschaft – ein Prinzip, das auch die Marienschule prägt. Rituale, gemeinsame Aktivitäten und ein wertschätzendes Miteinander schaffen ein tragendes Netz, das Schüler:innen Halt gibt. Die Schule lebt Koinonia, indem sie Gemeinschaft nicht nur organisiert, sondern als heilende Kraft erfahrbar macht.

Maria ist eine Patronin, die nicht durch Macht, sondern durch Fürsorge, Vertrauen und Hoffnung wirkt. Ihre Haltung ist zutiefst christlich und zugleich hochaktuell für die Arbeit mit jungen Menschen, die emotionale und soziale Unterstützung brauchen. Die Bischöfliche Marienschule trägt ihren Namen mit Recht – denn sie lebt das, wofür Maria steht: Nähe, Schutz, Vertrauen und die feste Hoffnung, dass jeder Mensch wachsen und heil werden kann.

1.6.1     Schule als Ort von Kirche

Die Bischöfliche Marienschule in Aachen ist nicht nur eine Förderschule für Emotionale und soziale Entwicklung – sie ist ein lebendiger Ort von Kirche, wie ihn die Rahmenordnung des Bistums Aachen beschreibt: „Kristallisationspunkte einer kreativen Konfrontation von Evangelium und Existenz[1].

Diese Definition trifft den Kern dessen, was die Marienschule täglich lebt: Die Begegnung mit jungen Menschen in herausfordernden Lebenslagen wird zum Ort, an dem die Frohe Botschaft Jesu Christi konkret erfahrbar wird.

Die Rahmenordnung betont, dass Orte von Kirche „lebendig, wirksam, gemeinschaftlich und ermöglichend[2] sein sollen. Die Marienschule erfüllt diese Kriterien in besonderer Weise:

  • Lebendig, weil sie sich an den Lebensrealitäten der Schüler:innen orientiert und ihnen Raum für Entwicklung und Begegnung bietet.
  • Wirksam, weil sie durch ihre pädagogische und seelsorgliche Arbeit das Evangelium in der Praxis sichtbar macht.
  • Gemeinschaftlich, weil sie ein Ort der Zugehörigkeit und des Vertrauens ist – besonders für Kinder und Jugendliche, die andernorts oft ausgegrenzt werden.
  • Ermöglichend, weil sie Talente fördert, Perspektiven eröffnet und Selbstwirksamkeit stärkt.

Die Schule wird damit zu einem Ort, an dem Kirche nicht nur gedacht, sondern gelebt wird – in Wort und Tat, im Alltag und in der Beziehung.

 

1.6.2     Diakonisches Wirken als Auftrag aller kirchlichen Einrichtungen

Die Pastoralstrategie des Bistums Aachen formuliert klar: „Die Kirche von Aachen versteht sich zugleich konsequent missionarisch (vom Evangelium her) und diakonisch (im Dienst für konkrete Menschen vom Menschen her).[3]

Gerade die Marienschule erfüllt diesen diakonischen Auftrag in besonderer Weise. Sie ist ein Ort, an dem junge Menschen mit emotionalen und sozialen Herausforderungen angenommen, begleitet und gefördert werden. Die Schule bietet:

  • konkrete Hilfe im Alltag,
  • pädagogische Stabilität,
  • emotionale Unterstützung,
  • und soziale Teilhabe.

Die Pastoralstrategie betont: „Besondere Priorität genießen in unserem Handeln dabei Menschen, die sonst wenig andere Unterstützung erfahren.“ – eine Aussage, die das Herzstück der Arbeit an der Marienschule beschreibt.

Die Strategie fordert, dass kirchliche Einrichtungen „eine christliche Organisationskultur entwickeln, sodass der geistliche Ursprung der entsprechenden Dienstleistung aufscheint“. Die Marienschule lebt diese Kultur durch ihr Leitbild, ihre Rituale, ihre Haltung der Wertschätzung und ihre Orientierung am christlichen Menschenbild. Sie unterscheidet sich dadurch bewusst von anderen Bildungseinrichtungen – nicht durch Exklusivität, sondern durch gelebte Fürsorge und Hoffnung.

Die Bischöfliche Marienschule ist ein Ort von Kirche, weil sie das Evangelium in der konkreten Lebenswirklichkeit junger Menschen erfahrbar macht. Sie wirkt diakonisch, weil sie sich den Schwächsten zuwendet und ihnen Raum zur Entfaltung bietet. Damit erfüllt sie nicht nur einen Bildungsauftrag, sondern auch einen kirchlichen Auftrag – als Teil einer Kirche, die sich wandelt, öffnet und in der Welt von heute relevant bleibt.

 

[1] Rahmenordnung Orte von Kirche des Bistums Aachen, S. 1

[2] ebd., S. 1

[3] Langfassung zur Pastoralstrategie, abrufbar über https://www.bistum-aachen.de/wir-veraendern-uns/pastoralstrategie/index.html

In einem Brief an den internationalen Bildungskongress in Marseille beschreibt Papst Franziskus katholische Bildung als eine „prophetische Komponente“ der Kirche. Er betont:

„Die Tätigkeit der Schule beschränkt sich nicht auf den Unterricht von Fächern, sondern auf die Bildung von Personen in ihrer Ganzheit. [...] Die katholische Schule muss Menschen hervorbringen, die sich selbst erkennen als Wesen, die fähig sind zu lieben und geliebt zu werden.“[1]

Diese Aussage passt ideal zur Marienschule, die Schüler:innen mit emotionalen und sozialen Herausforderungen begleitet. Die Schule geht über reine Wissensvermittlung hinaus und fördert Selbstwirksamkeit, Beziehungskompetenz und Hoffnung – ganz im Sinne einer Bildung, die den ganzen Menschen im Blick hat.

Auch die Betonung des Dialogs ist bei Franziskus zentral:

„Es geht nicht um Missionierung, sondern darum, die Schule als Lebenslektion zu gestalten, die Brücken baut – auch zu Nichtgläubigen.“[2]

Die Marienschule lebt diesen inklusiven Geist: Sie ist offen für alle, unabhängig von religiöser Prägung und Bekenntnis, und vermittelt christliche Werte durch gelebte Praxis – etwa durch Fürsorge, Gemeinschaft und respektvolle Begleitung.

Die Bischöfliche Marienschule in Aachen ist ein Ort, an dem junge Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten, Herausforderungen und Bedürfnissen angenommen und gefördert werden. Als Förderschule für Emotionale und soziale Entwicklung lebt sie eine Pädagogik der Achtsamkeit, Wertschätzung und Offenheit. Diese Haltung findet auch eine starke theologische und kirchliche Rückendeckung in den Aussagen von Papst Leo XIV, der sich klar für eine inklusive Kirche ausspricht.

  • „Alle, alle, alle – todos, todos, todos“: Papst Leo XIV greift den inklusiven Ansatz seines Vorgängers Franziskus auf und führt ihn konsequent weiter. In einer Begegnung mit Vertreter:innen marginalisierter Gruppen betonte er: „Alle, alle, alle – todos, todos, todos“ – das ist die Kirche, wie wir sie sehen. Diese Aussage ist ein starkes Zeichen für eine Kirche, die niemanden ausschließt. Für die Marienschule bedeutet das: Jeder junge Mensch – unabhängig von Herkunft, Verhalten, psychischer Verfassung oder sozialem Status – ist willkommen und wird mit Würde und Respekt begleitet.
  • „Die Steine, die die Bauleute verworfen haben…“: In einer bewegenden Ansprache an Roma, Sinti und Caminanti sagte Leo XIV: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden“ (Mt 21,42). Er bezog sich damit auf die Ausgrenzung bestimmter Gruppen und machte deutlich, dass gerade die vermeintlich Schwachen und Ausgeschlossenen zentrale Werte verkörpern, die unsere Gesellschaft dringend braucht. Die Marienschule lebt diesen Gedanken, indem sie Schüler:innen mit schwierigen Biografien nicht nur fördert, sondern ihnen zutraut, Träger von Hoffnung und Veränderung zu sein.
  • Synodalität als Weg der Vielfalt: Leo XIV betont die Bedeutung der Synodalität – eines gemeinsamen Weges, auf dem alle gehört und beteiligt werden. „Synodal zu sein heißt: Alle sollen gehört und beteiligt werden – von Betroffenen zu Beteiligten.“ Diese Haltung passt hervorragend zur Marienschule, die ihre Schüler:innen nicht nur als Empfänger von Hilfe sieht, sondern als aktive Mitgestalter ihres Lern- und Lebensraums. Vielfalt wird hier nicht nur toleriert, sondern als Bereicherung verstanden.
  • Inklusion als Ausdruck christlicher Nächstenliebe: In seinem ersten Lehrschreiben Dilexi te („Ich habe dich geliebt“) ruft Leo XIV dazu auf, sich den Armen und Ausgegrenzten zuzuwenden – nicht aus Mitleid, sondern aus echter Liebe. Er kritisiert eine Kirche, die sich nur auf Gebet und Verkündigung beschränkt und soziale Verantwortung auslagert. Die Marienschule lebt diesen Anspruch, indem sie Bildung, Beziehung und Fürsorge miteinander verbindet – ganz im Sinne der Diakonia, des kirchlichen Dienstes am Menschen.

Die Aussagen von Papst Franziskus und Papst Leo XIV bestärken die Bischöfliche Marienschule in ihrem Weg: Eine Schule, die Vielfalt nicht nur zulässt, sondern feiert. Eine Schule, die sich an den Rändern der Gesellschaft engagiert und dabei das Zentrum christlicher Botschaft lebt – die Liebe Gottes zu jedem Menschen. Das katholische Profil der Marienschule ist damit nicht nur theologisch fundiert, sondern auch hochaktuell und zukunftsweisend.

 

[1] vgl. Papst Franziskus, Brief an den OIEC, 2022

[2] Papst Franziskus, Brief an den OIEC, 2022

1.8.1     Ernst Bloch- „Das Prinzip Hoffnung“ als pädagogischer Auftrag

Ernst Bloch beschreibt in seinem Werk Das Prinzip Hoffnung[1] die Hoffnung als eine treibende Kraft des Menschen – nicht als naive Erwartung, sondern als aktives Streben nach einer besseren Zukunft. Hoffnung ist für Bloch ein Prinzip, das den Menschen über sich hinauswachsen lässt.

 

Für die Bischöfliche Marienschule ist dieses Prinzip zentral: Die Schule begleitet junge Menschen, die oft mit Enttäuschungen, Ängsten und biografischen Brüchen leben. Sie bietet ihnen einen Ort, an dem Hoffnung wieder möglich wird – durch Beziehung, Förderung und Perspektiven. Die christliche Botschaft, die in der Schule gelebt wird, ist eine Botschaft der Hoffnung: Jeder Mensch ist von Gott geliebt und zur Entfaltung berufen.

Die Marienschule lebt das Prinzip Hoffnung außerdem, indem sie nicht auf Defizite blickt, sondern auf Möglichkeiten. Sie glaubt an Entwicklung, an Veränderung und an das Gute im Menschen – ganz im Sinne Blochs, der schreibt: „Wer hofft, lebt anders.“

 

1.8.2     Martin Buber- „Am Du wird der Mensch zum Ich“ als Beziehungsgrundlage

Martin Buber formuliert in seinem dialogischen Denken, dass der Mensch erst im echten Gegenüber – im „Du“ – zu sich selbst findet. Beziehung ist für ihn nicht Mittel zum Zweck, sondern der Ort, an dem Menschsein geschieht.

Die Marienschule lebt diese Haltung in ihrer täglichen Arbeit: Die Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler:in ist nicht funktional, sondern persönlich und tragend. Gerade in einer Förderschule für Emotionale und soziale Entwicklung ist das „Du“ entscheidend – denn viele Schüler:innen haben Beziehungserfahrungen gemacht, die von Ablehnung und Misstrauen geprägt sind oder sogar komplett abgebrochen wurden.

Die Schule bietet ein neues Beziehungserleben: wertschätzend, verlässlich und dialogisch. In dieser Begegnung entsteht Entwicklung – nicht durch Druck, sondern durch Vertrauen. Die christliche Pädagogik der Marienschule ist damit zutiefst buberianisch: „Der Mensch wird am Du zum Ich.“

 

1.8.3     Einheit in Vielfalt – Theologische Losung als Leitbild gelebter Inklusion

Die theologische Losung „Einheit in Vielfalt“ beschreibt ein zentrales Prinzip christlicher Gemeinschaft: Einheit bedeutet nicht Gleichheit, sondern Zusammenhalt trotz Unterschiedlichkeit. Vielfalt wird nicht als Bedrohung, sondern als Reichtum verstanden. Das katholische Profil der Schule zeigt sich hier in seiner inklusiven Kraft: Jeder Mensch ist Teil der Gemeinschaft, unabhängig von seinen Voraussetzungen. Die Schule wird so zum Ort, an dem die Kirche konkret wird – als Leib Christi, in dem viele Glieder gemeinsam wirken. „Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, so ist es auch mit Christus.“ (1 Kor 12,12)

Die Bischöfliche Marienschule ist ein Ort, an dem Vielfalt nicht nur akzeptiert, sondern bewusst gestaltet und wertgeschätzt wird. In der täglichen Arbeit begegnen sich Menschen mit unterschiedlichen religiösen Prägungen, Weltanschauungen und Lebensgeschichten: Schüler:innen (und teilweise auch Lehrkräfte) gehören verschiedenen Konfessionen an oder sind konfessionslos, manche bringen religiöse Vorerfahrungen mit, andere begegnen Glauben und Kirche zum ersten Mal. Diese Vielfalt ist kein Widerspruch zum katholischen Profil der Schule – im Gegenteil: Sie ist Ausdruck einer Kirche, die offen ist für alle Menschen und deren Würde achtet. Papst Leo XIV betont in seinen Aussagen immer wieder, dass Kirche „alle, alle, alle“ umfassen muss – unabhängig von Herkunft, Glaubensrichtung oder Lebenssituation. Die Marienschule lebt diesen Anspruch, indem sie einen Raum schafft, in dem jede und jeder willkommen ist und sich entfalten darf.

Das katholische Profil der Schule zeigt sich dabei nicht in Abgrenzung, sondern in einer Haltung der Offenheit, des Dialogs und der gelebten Nächstenliebe. Es bietet Orientierung, ohne zu vereinnahmen, und lädt zur Begegnung mit christlichen Werten ein.

 

[1] Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung, Suhrkamp Verlag, 1985.

Die Werte, die die Bischöfliche Marienschule in ihrem Leitbild und katholischen Profil lebt wie Wertschätzung, Vertrauen, Hoffnung, Gemeinschaft, Fürsorge, Verantwortung und Selbstwirksamkeit – finden eine tiefe Verankerung in der biblischen Botschaft. Hier sind einige zentrale Bibelstellen, die diese Werte stützen:

  • Wertschätzung und Würde jedes Menschen: „Gott schuf den Menschen als sein Bild.“ (Gen 1,27) Diese Stelle betont die unantastbare Würde jedes Menschen. Die Marienschule lebt diesen Wert, indem sie jeden Schüler und jede Schülerin unabhängig von Herkunft, Verhalten oder Leistungsfähigkeit annimmt und fördert.
  • Vertrauen und Begleitung: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir.“ (Jes 41,10) Diese Zusage Gottes ist ein Leitmotiv für die pädagogische Haltung der Schule: Schüler:innen sollen erfahren, dass sie nicht allein sind – dass sie begleitet und getragen werden, auch in schwierigen Zeiten.
  • Hoffnung und Perspektive: „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jer 29,11) Die Marienschule eröffnet ihren Schüler:innen neue Perspektiven und stärkt ihr Vertrauen in die eigene Zukunft – ganz im Sinne dieser Verheißung.
  • Gemeinschaft und Zusammenhalt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20) Diese Stelle unterstreicht die Bedeutung von Gemeinschaft. Die Schule schafft Räume für gemeinschaftliches Lernen, Leben und Glauben – Rituale, Strukturen und gemeinsame Aktivitäten fördern das Miteinander.
  • Fürsorge und Dienst am Nächsten (Diakonia) „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) Die Marienschule lebt diesen diakonischen Auftrag, indem sie sich besonders denjenigen zuwendet, die Unterstützung und Schutz brauchen – mit Empathie, Fachlichkeit und christlicher Nächstenliebe.
  • Selbstwirksamkeit und Ermutigung: „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht: Christus.“ (Phil 4,13) Diese Aussage stärkt das Vertrauen in die eigene Kraft und Entwicklung. Die Schule fördert Selbststeuerung und Selbstwirksamkeit – und ermutigt ihre Schüler:innen, an sich zu glauben.
  • Barmherzigkeit und Vergebung: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lk 6,36) In der täglichen pädagogischen Arbeit ist Barmherzigkeit ein zentraler Wert – etwa im Umgang mit Fehlern, Konflikten und schwierigen Verhaltensweisen. Die Schule lebt eine Kultur der zweiten Chance.

2 Praktische Umsetzung des Profils im Schulleben

Das katholische Profil der Bischöflichen Marienschule zeigt sich nicht nur in Leitbildern und theologischen Grundsätzen, sondern vor allem im konkreten Alltag der Schule. Es wird gelebt – von Mitarbeitenden, Schüler:innen und Eltern – in vielfältigen Formen, die Orientierung, Halt und Sinn bieten.

Die Marienschule hatte aus verschiedenen Gründen lange Zeit keine Schulseelsorge, was sich im Jahr 2022 glücklicherweise änderte. In den vergangenen drei Jahren wurde dieses unbestellte Feld von einer Schulseelsorgerin neu ausgefüllt – im Austausch mit allen am Schulleben Beteiligten, damit die Bedarfe derer möglichst gut getroffen werden. Seit dem 01.10.2025 bereichert nach einem Besetzungswechsel eine andere Schulseelsorgerin mit einem Stellenanteil von 20 % das Leben an der Marienschule. Sie steht allen am Schulleben Beteiligten – Schüler:innen, Lehrkräften und Eltern – als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Ihre Arbeit umfasst:

  • spirituelle Impulse im Schulalltag,
  • seelsorgliche Gespräche in belastenden Situationen,
  • Begleitung in persönlichen Krisen,
  • Mitgestaltung von Gottesdiensten und Gedenkformaten
  • Exerzitien für das Kollegium.

Die Schulseelsorge versteht sich als offenes Angebot, das niemanden ausschließt und jedem Raum gibt – unabhängig von religiöser Prägung oder persönlichem Hintergrund.

Rituale sind fester Bestandteil des Schulalltags und bieten den Schüler:innen Struktur und Sicherheit. Sie schaffen Verlässlichkeit und ermöglichen spirituelle Erfahrungen – etwa durch:

  • Morgenimpulse,
  • Rituale im Kirchenjahr,
  • Segensfeiern,
  • regelmäßige Gottesdienste zu den großen christlichen Feiertagen (z. B. Weihnachten, Ostern) oder zu Schuljahresbeginn oder -ende.

Diese Feiern sind inklusiv gestaltet und orientieren sich an der Lebenswirklichkeit der Schüler:innen. Sie laden zur Begegnung mit christlichen Inhalten ein, ohne zu vereinnahmen.

Der Religionsunterricht an der Marienschule ist dialogisch und lebensnah. Er nimmt die Fragen, Erfahrungen und Zweifel der Schüler:innen ernst und bietet Raum für:

  • ethische Reflexion,
  • interreligiöse Begegnung,
  • persönliche Sinnsuche,
  • Auseinandersetzung mit christlichen Werten und biblischen Geschichten.

Er ist geprägt durch die Lebenssituation und Vorerfahrungen der Schülerinnen und Schüler, da so ein vereinfachter Zugang zu christlichen Themen gefunden und ggfs. fehlende Vorerfahrungen aufgewogen werden können. Entsprechend versteht sich der Unterricht hier weniger als reine Wissensvermittlung, sondern als Begegnungsraum mit Religion, Glauben und ethischen Fragestellungen.

Im Zentrum steht die persönliche Erfahrung der Schüler:innen, ihre Fragen nach Sinn, Gemeinschaft, Gerechtigkeit, Schuld, Vergebung oder Hoffnung. Der Religionsunterricht bietet ihnen Gelegenheiten, über ihr eigenes Leben nachzudenken, Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken, und gleichzeitig Respekt, Empathie und Vertrauen zu entwickeln. Da viele Kinder und Jugendliche in ihrem bisherigen Schulleben negative Erfahrungen mit Ausgrenzung, Leistungsdruck oder Beziehungsabbrüchen gemacht haben, spielt eine beziehungsorientierte, wertschätzende und sichere Lernatmosphäre eine zentrale Rolle. Der Unterricht will Zugehörigkeit und Angenommensein erfahrbar machen – zentrale Elemente christlicher Pädagogik. Inhaltlich orientiert sich der Unterricht am Lehrplan des katholischen Religionsunterrichts, wird aber situations- und lebensweltbezogen adaptiert. Biblische Geschichten, Symbole, Rituale oder Feste des Kirchenjahres werden so erschlossen, dass sie Anknüpfungspunkte zu den Erfahrungen der Schüler:innen eröffnen – etwa das Gefühl, sich angenommen zu wissen oder neue Hoffnung zu schöpfen. Methodisch steht die Ganzheitlichkeit im Vordergrund: kreative, handlungsorientierte und mediale Zugänge, Erzählungen, Rollenspiele, Musik oder praktische Projekte (z. B. Gestaltung eines Adventswegs oder eines Klassenrituals) helfen, religiöse Inhalte emotional erfahrbar und zugänglich zu machen. So versteht sich der Religionsunterricht an dieser Schulform nicht als missionarisches Angebot, sondern als Einladung zur Begegnung mit religiösen und ethischen Fragen, die das eigene Leben berühren – in einer Atmosphäre von Offenheit, Vertrauen und Respekt gegenüber unterschiedlichen Glaubensannahmen.

Gerade in einer Förderschule für Emotionale und soziale Entwicklung ist der Religionsunterricht ein Ort, an dem Schüler:innen sich selbst und ihre Welt besser verstehen lernen. Bildung baut Vorurteile ab!

Ein besonderes Zeichen gelebter Erinnerungskultur ist die Adoption des Stolpersteins für die ehemalige Marienschülerin Maria May, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurde. Jedes Jahr zum Gedenktag der Reichspogromnacht reinigen Schüler:innen der Marienschule den Stein und gestalten ein Gedenken für Maria. Dieses Ritual verbindet historische Verantwortung mit persönlicher Anteilnahme und zeigt, dass christliche Bildung auch gesellschaftliche Verantwortung einschließt.

Die Marienschule bietet einen Ruheraum, der als Rückzugsort für Besinnung, Entspannung oder Gebet genutzt werden kann. Darüber hinaus stehen alle Pädagog:innen regelmäßig für persönliche Gespräche zur Verfügung – sei es in Krisensituationen, zur Reflexion oder einfach als verlässliche Ansprechpartner:innen. Diese Gesprächsangebote sind Ausdruck einer Haltung der Achtsamkeit und Fürsorge.

Viele Schüler:innen der Marienschule sind wie die meisten Jugendlichen in ihrem Alter auf der Suche nach Sinn, nach Orientierung, nach einem Platz im Leben, nach Antworten auf existenzielle Fragen. Die Schule nimmt diese Suche ernst und bietet Angebote, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Herz und Seele ansprechen. Das katholische Profil zeigt sich hier als Einladung: zur Begegnung mit sich selbst, mit anderen und mit dem, was trägt.

Ein besonders lebendiger Ausdruck des katholischen Profils ist der jährliche Weihnachtskartenwettbewerb, bei dem sich die Schüler:innen kreativ mit einem ausgewählten Bibelzitat auseinandersetzen. Jedes Jahr wird ein neues Zitat gewählt, das zum Nachdenken und Gestalten einlädt. Die Schüler:innen setzen sich künstlerisch mit dem Text auseinander – in Bildern, Collagen, Zeichnungen oder anderen Ausdrucksformen.

Alle am Schulleben Beteiligten – Lehrkräfte, Mitarbeitende, Schüler:innen und Eltern – sind eingeladen, die Werke zu betrachten und zu bewerten. So entsteht ein gemeinschaftlicher Prozess, in dem Wertschätzung und Beteiligung erfahrbar werden. Das Siegerbild wird beim jährlichen Adventscafé feierlich prämiert. Es ziert anschließend die Weihnachtskarte der Schule, die an viele Menschen innerhalb und außerhalb der Schulgemeinschaft versendet wird – ein Zeichen dafür, wie biblische Botschaft kreativ und verbindend wirken kann.

Seit dem letzten Jahr hat die Marienschule das Marienfest wieder aufleben lassen – ein Tag, der ganz im Zeichen der Namenspatronin der Schule steht. Die Mitarbeitenden gestalten ein abwechslungsreiches Programm für die Schüler:innen und deren Eltern, das Gemeinschaft, Freude und spirituelle Tiefe verbindet.

Das Fest beginnt mit einem Gottesdienst, der die Bedeutung Marias als Begleiterin und Hoffnungsträgerin in den Mittelpunkt stellt. Anschließend erleben die Gäste einen bunten Tag mit kreativen Angeboten, Spielen, Gesprächen und Begegnung. Das Marienfest ist Ausdruck gelebter Koinonia – einer Gemeinschaft, die trägt, verbindet und stärkt. Es zeigt, wie das katholische Profil der Schule auch in festlichen Momenten erfahrbar wird.

Da die Marienschule über keine Aula und keine Kapelle verfügt, die Schulgemeinschaft dennoch regelmäßig gemeinsam Gottesdienste feiern möchte, entstand eine Kooperation mit der nahegelegenen Pfarre St. Marien: Die Schulgemeinde darf regelmäßig den Kirchenraum für Gottesdienste nutzen. Im Gegenzug hat die Marienschule für ein Beet auf dem Kirchengelände eine Patenschaft übernommen. Regelmäßig befreien Schülerinnen und Schüler der Marienschule mit ihren Pädagog:innen das Beet vom Müll, pflegen es, schneiden Pflanzen zurück, pflanzen Neues oder ernten Bestehendes. Im Sinne des Erhalts der Schöpfung ist das Beet nachhaltig angelegt: Nicht die Schönheit, sondern der Nutzen der Pflanzen steht im Vordergrund; so finden sich im Beet hauptsächlich Heilpflanzen und Kräuter, die mehrjährig sind. Auf diese Weise lernen die Schüler:innen ganz nebenbei den Nutzen der jeweiligen Pflanzen kennen.

Diese Tätigkeit ist jedoch mehr als ein praktischer Beitrag zur Kooperation und ein Lerngegenstand im Fach Biologie – sie hat auch eine theologische Dimension: Die Pflege des Beetes wird zum Ausdruck des christlichen Auftrags zur Bewahrung der Schöpfung. Die Schüler:innen erleben, dass Natur nicht nur genutzt, sondern geschützt und gepflegt werden soll. Im achtsamen Umgang mit Pflanzen und Erde wird eine Haltung der Verantwortung und Dankbarkeit gegenüber Gottes Schöpfung eingeübt – ganz im Sinne von Genesis 2,15: „Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und hüte.“

Die praktische Umsetzung des katholischen Profils an der Bischöflichen Marienschule ist vielfältig, lebensnah und inklusiv. Sie zeigt sich in Ritualen, Gesprächen, Gottesdiensten, Unterricht, Gedenken und aktivem Tun – und vor allem in der Haltung, mit der Menschen einander begegnen. Die Schule wird so zu einem Ort, an dem christliche Werte nicht nur vermittelt, sondern gelebt werden – in Wort und Tat, im Alltag und in der Beziehung.

3. Quellen

  • Genesis 1,27 – „Gott schuf den Menschen als sein Bild.“
  • Genesis 2,15 – „Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und hüte.“
  • Jesaja 41,10 – „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir.“
  • Jeremia 29,11 – „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe …“
  • Matthäus 18,20 – „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind …“
  • Matthäus 25,40 – „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt …“
  • Matthäus 21,42 – „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben …“
  • Lukas 6,36 – „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“
  • Philipper 4,13 – „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht: Christus.“
  • 1 Korinther 12,12 – „Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat …“

Papst Franziskus

  • Brief an den OIEC (Internationaler Bildungskongress in Marseille, 2022)
    • „Die Tätigkeit der Schule beschränkt sich nicht auf den Unterricht von Fächern …“
    • „Es geht nicht um Missionierung, sondern darum, die Schule als Lebenslektion zu gestalten …“

Papst Leo XIV

  • Lehrschreiben „Dilexi te“
    • „Ich habe dich geliebt“ – Aufruf zur Zuwendung zu den Ausgegrenzten.
  • Ansprache an Roma, Sinti und Caminanti
    • „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden.“ (Mt 21,42)
  • Synodalitätsverständnis
    • „Synodal zu sein heißt: Alle sollen gehört und beteiligt werden – von Betroffenen zu Beteiligten.“
  • Inklusives Kirchenverständnis
    • „Alle, alle, alle – todos, todos, todos“

Bistum Aachen – Rahmenordnung „Heute bei dir“-Prozess

  • „Kristallisationspunkte einer kreativen Konfrontation von Evangelium und Existenz“
  • „lebendig, wirksam, gemeinschaftlich und ermöglichend“

Pastoralstrategie des Bistums Aachen

  • „Die Kirche von Aachen versteht sich zugleich konsequent missionarisch und diakonisch …“
  • „Besondere Priorität genießen in unserem Handeln dabei Menschen …“
  • „Eine christliche Organisationskultur entwickeln …“

Ernst Bloch

  • Das Prinzip Hoffnung
    • „Wer hofft, lebt anders.“

Martin Buber

  • Ich und Du
    • „Am Du wird der Mensch zum Ich.“